Funkkurs — Notfunkgeräte: EPIRB, SART & Co.

Modul des Funkzeugnis-Kurs SRC & UBI. Die zusätzlichen Seenot-Geräte neben dem UKW-Funk — was alarmiert, was hilft beim Orten.

Die Kernidee

EPIRB = alarmiert (löst die Rettungskette aus). SART / AIS-SART = orten (helfen den Rettern, dich im Nahbereich genau zu finden). Beides ergänzt den UKW-/DSC-Funk.


EPIRB — Emergency Position-Indicating Radio Beacon


Zwei EPIRB-Bauformen (Seenotfunkbaken). Bilder: Wikimedia Commons.

  • Seenot-Funkbake, die auf 406 MHz über die Cospas-Sarsat-Satelliten alarmiert — weltweit, auch fernab jeder Küstenfunkstelle.
  • Sendet Kennung (ID) + Position (mit eingebautem GPS/GNSS sehr genau); löst damit die internationale Rettungskette aus.
  • Schwimmt automatisch auf und kann sich beim Sinken per Wasserdruck selbst auslösen (Float-free-Halterung).
  • Schiffsgebunden und muss registriert sein (Halter/Schiff hinterlegt) — sonst weiß niemand, zu wem der Alarm gehört.
  • Moderne Geräte haben zusätzlich ein AIS-Homing-Signal für die Feinortung.

Merke

Die EPIRB ist das primäre Alarmgerät für küstenfernes Fahren — unabhängig von UKW-Reichweite und Bordstrom (eigene Batterie).

Wie die EPIRB alarmiert — und das 121,5-MHz-Homing

Die EPIRB sendet auf zwei Frequenzen mit zwei verschiedenen Aufgaben:

1) 406 MHz — der digitale Alarm (über Satellit):

  1. EPIRB wird aktiviert → sendet alle ~50 s einen digitalen Burst mit eindeutiger Kennung und (mit GPS) der Position.
  2. Die Cospas-Sarsat-Satelliten empfangen den Burst — LEOSAR (niedrige Umlaufbahn), GEOSAR (geostationär) und modern MEOSAR (auf GPS-/Galileo-Satelliten).
  3. Die Satelliten leiten das Signal an Bodenstationen (LUT) weiter; ohne GPS-Position wird sie über den Doppler-Effekt der bewegten Satelliten berechnet.
  4. Eine MCC (Mission Control Centre) ordnet die Kennung zu und gibt die Meldung an das zuständige MRCC (z. B. Bremen Rescue) → Rettung läuft an.

2) 121,5 MHz — das Homing-Signal (für die Feinortung vor Ort):

  • Zusätzlich sendet die EPIRB ein schwaches, durchgehendes 121,5-MHz-Peilsignal.
  • Die anrückenden SAR-Einheiten (Flugzeug/Hubschrauber/Schiff) peilen dieses Signal mit einem Funkpeiler an und finden so im Nahbereich den genauen Standort — der „letzte Kilometer” zum Havaristen.
  • Wichtig: 121,5 MHz wird nicht mehr von Satelliten überwacht (Cospas-Sarsat hat das 2009 eingestellt). Es dient nur noch dem lokalen Homing, nicht der Alarmierung. Die eigentliche Alarmierung läuft ausschließlich über 406 MHz.
  • Moderne EPIRBs ergänzen das Homing per AIS (UKW), damit Schiffe in der Nähe die Bake als Ziel auf dem Plotter sehen.
flowchart LR
    E[EPIRB aktiviert] -->|406 MHz Burst<br/>ID + Position| SAT[Cospas-Sarsat<br/>LEO / GEO / MEO]
    SAT --> LUT[Bodenstation LUT] --> MCC[MCC] --> MRCC[MRCC<br/>Bremen Rescue]
    MRCC -->|schickt SAR-Einheiten| U[Flugzeug / Schiff]
    E -.->|121,5 MHz Peilsignal<br/>Nahbereich| U
    style E fill:#ff6b6b,color:#fff
    style SAT fill:#4dabf7,color:#fff
    style MRCC fill:#69db7c,color:#000

Merksatz

406 MHz = alarmieren (weltweit, via Satellit). 121,5 MHz = anpeilen (vor Ort, kein Satellit mehr).

Wie löst die EPIRB aus?

Es gibt drei Auslösewege:

  1. Manuell — Schalter/Taste am Gerät (mit Sicherungskappe gegen versehentliches Drücken).
  2. Automatisch durch Wasserkontakt — ein Wassersensor aktiviert die Bake, sobald sie im Wasser schwimmt.
  3. Float-free (selbstausschwimmend) — die Halterung hat eine hydrostatische Auslösevorrichtung (HRU), die die EPIRB beim Sinken des Schiffs (Wasserdruck ~4 m Tiefe) freigibt. Sie schwimmt auf, der Wassersensor schaltet sie ein.

Kategorie 1 vs. Kategorie 2

Kategorie 1 = float-free (automatisch ausschwimmend + Wasserkontakt). Kategorie 2 = nur manuell auslösbar. Für ernsthaftes Seerevier ist die selbstausschwimmende Variante sinnvoll — sie funktioniert auch, wenn die Crew es nicht mehr selbst schafft.

Versehentlich ausgelöst — was tun?

Nicht einfach wegstecken und hoffen! Die Alarmierung kann längst beim MRCC sein.

  1. Sofort ausschalten (deaktivieren).
  2. MRCC / Seenotleitung verständigen — in DE Bremen Rescue (Telefon +49-421-53687-0 oder per UKW), dass es ein Fehlalarm war und keine Seenot vorliegt.
  3. Beaken-Kennung (Hex-ID) und Schiffsnamen angeben, damit der SAR-Einsatz abgebrochen wird.

Ein nicht widerrufener Fehlalarm bindet echte Rettungsressourcen — deshalb immer melden (genau wie beim DSC-Fehlalarm).

Bedienung

Manuell: Antenne aufrichten, Sicherung/Kappe entfernen, ON — die EPIRB senkrecht ins Wasser legen oder hochhalten, mit freier Sicht zum Himmel (nicht unter Deck/in der Hand „verstecken”). Eingeschaltet lassen, bis die Rettung da ist.

PLB — Personal Locator Beacon

  • Die persönliche, kleine Variante der EPIRB (am Körper/Rettungsweste), ebenfalls 406 MHz / Cospas-Sarsat.
  • Personengebunden (die EPIRB ist schiffsgebunden) — eine PLB ergänzt die EPIRB, ersetzt sie aber nicht.

Bedienung

Aus der Tasche/Halterung nehmen, Antenne ausklappen, Knopf drücken/halten. Senkrecht halten, Antenne frei zum Himmel. Löst nur manuell aus (kein Float-free) und sendet kürzer als eine EPIRB.

SART — Search and Rescue Radar Transponder


SART „Tron” — 9-GHz-Radartransponder mit TEST/OFF/ON-Schalter, zum Hochhalten/Aufstellen in der Rettungsinsel. Bild: Wikimedia Commons, CC BY-SA.

  • Dient der Nahbereich-Ortung, wenn die Retter schon im Gebiet sind.
  • Reagiert auf das 9-GHz-X-Band-Radar der suchenden Schiffe und erzeugt auf deren Radarschirm eine typische Kette von 12 Punkten, die zum Standort weist.

Bedienung

  1. Aus der Wandhalterung nehmen, mit in die Rettungsinsel.
  2. Auf den schwarzen Teleskopstab stecken und so hoch wie möglich aufstellen/halten (durch eine Öffnung im Inseldach) — Höhe = Reichweite, ein SART auf 1 m wird viel früher vom Radar erfasst.
  3. Schalter auf ON (Standby). Sobald ein Schiffsradar es trifft, schaltet es automatisch auf Senden — eine Indikatorlampe/ein Ton signalisiert den Radarkontakt (= „Hilfe ist in Radar-Reichweite”).
  4. TEST-Stellung nur kurz zur Funktionsprüfung nutzen.

AIS-SART

  • Weiterentwicklung: bestimmt per eingebautem GPS die Position und sendet sie im AIS-Format über UKW.
  • Erscheint als Notziel auf dem AIS/Plotter der Schiffe in der Nähe — oft praktischer als der Radar-SART.

Bedienung

Einschalten (ON) — sendet dann automatisch die GPS-Position als AIS-Ziel. Ebenfalls so hoch wie möglich anbringen, freie Sicht nach oben.

MOB-Sender (Mensch über Bord)

  • Persönliche AIS-MOB- / DSC-MOB-Geräte an der Rettungsweste: lösen bei „Mensch über Bord” einen AIS-Alarm und/oder DSC-Alarm aus und senden die GPS-Position ans eigene Schiff.

Bedienung

An der Rettungsweste befestigt; aktiviert sich automatisch beim Aufblasen/Wasserkontakt (oder manuell). Antenne klappt aus → sofortiger MOB-Alarm + Position ans Schiff/AIS. Regelmäßig den Batterie-Ablauf prüfen.


Überblick: Wer macht was?

GerätFrequenz/SystemAufgabegebunden an
EPIRB406 MHz · Cospas-Sarsatalarmieren (weltweit)Schiff
PLB406 MHz · Cospas-Sarsatalarmieren (klein)Person
SART9 GHz Radarorten (Radarbild)Rettungsinsel
AIS-SARTUKW / AISorten (AIS-Ziel)Rettungsinsel
AIS/DSC-MOBUKW / AIS / DSCMOB-Alarm + PositionPerson
flowchart LR
    E[EPIRB / PLB<br/>406 MHz] -->|Satellit| SAT[Cospas-Sarsat] --> MRCC[MRCC / Bremen Rescue]
    MRCC -->|schickt Retter| R[Suchende Schiffe]
    S[SART / AIS-SART] -->|Radar / AIS<br/>Nahbereich| R
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    style S fill:#4dabf7,color:#fff
    style MRCC fill:#69db7c,color:#000

Wartung, Batterie & Lebensdauer

GerätBatterie (Lager)Sendedauer (aktiv)typische Wartung
EPIRB~10 Jahre wartungsfrei≥ 48 hBatteriewechsel ~alle 5–10 J. (Hersteller); HRU alle 2 Jahre tauschen
PLB~5–7 Jahre≥ 24 hBatteriewechsel zum Ablaufdatum
SART / AIS-SART~5 JahreStandby ~96 h + Senden ~8 hBatteriewechsel, Funktionstest
AIS/DSC-MOB~5–7 Jahre~24 hBatterie-/Ablaufcheck

Wartung — das gehört regelmäßig gemacht

  • Selbsttest per Test-Funktion (regelmäßig, z. B. monatlich/vor dem Törn) — verbraucht kaum Batterie.
  • Batterie-Ablaufdatum im Blick behalten; Wechsel nur durch zertifizierten Service (Versiegelung!).
  • HRU (hydrostatische Auslösung der EPIRB) alle 2 Jahre erneuern — hat ein eigenes Verfallsdatum.
  • Registrierung aktuell halten (Eigner/Kontakt/Schiff) — sonst ist der Alarm anonym.

Preise (Richtwerte 2026, Sportbootmarkt)

  • EPIRB: ca. 500–1000 € (kompakte Sportboot-Modelle), Voll-Profi-Geräte bis ~1200 €.
  • PLB: ca. 300–500 €.
  • SART (Radar) / AIS-SART: ca. 500–800 €.
  • AIS-MOB-Sender: ca. 300–550 €.

(Preise schwanken je nach Hersteller/Händler — vor dem Kurs ggf. kurz aktuell prüfen.)

Einordnung für den SRC-Kurs

EPIRB/SART sind GMDSS-Ausrüstung und gehören eher zum LRC-Umfeld (küstenfern). Für den SRC reicht: wissen, was sie tun — EPIRB alarmiert via Satellit, SART/AIS-SART helfen beim Orten. Im Küstenbereich (A1) bleibt DSC + UKW das Hauptwerkzeug.


Bilder: Wikimedia Commons (EPIRB; SART „SART radar transponder”, Jotron), CC BY-SA.

Quellen (recherchiert 06/2026)


Superlink: Funkzeugnis-Kurs SRC und UBI
Created: 04/06/26