Funkkurs — Technik: Wellen, Frequenzen, Reichweite, Geräte, Praxis

Modul des Funkzeugnis-Kurs SRC & UBI. Die technischen Grundlagen — Funkwellen, Frequenzen, Reichweite, Antenne, Spannung/Leistung, Gerätearten, Simplex/Duplex/Semiduplex, DSC-Controller und die Praxis des Funkens.


1. Funkwellen — UKW (Ultrakurzwelle / VHF)

  • Seefunk nutzt Ultrakurzwelle (UKW / VHF). Ausbreitung quasi-optisch = nahezu geradlinig, „Sichtweite-Funk” (line of sight).
  • UKW folgt nicht der Erdkrümmung und wird kaum gebeugt → hinter dem Horizont ist Schluss.
  • Wellenlänge λ = c / f ≈ 300 / 156 ≈ ~1,9 m (deshalb sind UKW-Antennen kurz). Polarisation vertikal.
flowchart LR
    TX[📡 Sender] -->|geradlinige Welle| RX[📡 Empfänger]
    TX -.->|blockiert durch Erdkrümmung| H[hinter dem Horizont:<br/>kein Empfang]
    style RX fill:#69db7c,color:#000
    style H fill:#ff8787,color:#000

2. Frequenzen

  • Der mobile Seefunkdienst belegt auf UKW den Bereich 156–162 MHz.
  • Ein Kanal ist eine feste Frequenz (Simplex) oder ein Frequenzpaar (Duplex: getrennte Sende-/Empfangsfrequenz).
  • Wichtige feste Frequenzen (auswendig):
Kanal/DienstFrequenzArtFunktion
Kanal 16156,800 MHzSimplexAnruf · Not · Dringlichkeit · Sicherheit
Kanal 70156,525 MHz(DSC)digitaler Selektivruf — nur DSC, kein Sprechfunk
Grenzwelle (Not)2187,5 kHzDSC-Not auf Mittelwelle (z. B. Bremen Rescue)
NAVTEX international518 kHzTextSicherheitsmeldungen in Englisch
AIS 1 / AIS 2161,975 / 162,025 MHzAIS-Datenfunk (Kanal 87/88) — kein Sprechfunk

Warum Kanal 16 Simplex ist

Kanal 16 ist ein Simplex-Kanal — genau deshalb können ihn alle Seefunkstellen mithören; das ist für einen Not-/Anrufkanal gewollt.

3. Reichweite & Funkhorizont

Weil UKW nur bis zum Funkhorizont reicht, hängt die Reichweite vor allem von der Antennenhöhe ab (beider Stationen) — nicht in erster Linie von der Sendeleistung.

Faustformel (Reichweite über den Funkhorizont):

Faustformel Funkhorizont

Reichweite [km] ≈ 3,84 × (√h₁ + √h₂) — mit h₁, h₂ = Antennenhöhen in Metern.

Beispiel: Masttop-Antenne 16 m (√16 = 4) ↔ Küstenfunkstelle 100 m (√100 = 10) → 3,84 × (4 + 10) ≈ 54 km ≈ 29 sm.

Typische Reichweiten:

Verbindunggrobe Reichweite
Handfunke ↔ Handfunke (niedrig)~3–6 sm
Yacht-Masttop ↔ Yacht-Masttop~20–30 sm
Yacht ↔ hohe Küstenfunkstelledeutlich mehr (Küstenantenne sehr hoch)


Merke: Reichweite kommt von der Antennenhöhe, nicht von Watt. Mehr Leistung „drückt” nicht hinter den Horizont. UKW breitet sich aus wie Licht — die Rechnung ähnelt der „Feuersichtweite in der Kimm”. (Plot generiert mit Funkkurs — Grafik-Generator (Python).)

4. Antenne

  • Antenne so hoch wie möglich montieren (Segelyacht: Masttop) — Höhe = Reichweite.
  • Vertikale Polarisation; Stabantenne (λ/2 ≈ 1 m, λ/4 ≈ 0,5 m bei ~156 MHz).
  • Saubere Installation/Kabel wichtig (Stehwellenverhältnis); defekte Antenne kostet Reichweite — die eingestellten 25 W bringen nur etwas mit funktionierender Antenne.

5. Spannung, Strom (Ampere) & Batterie

Spannung: Festeinbau am 12-V-Bordnetz (Gleichspannung); Handfunke am Akku.

Stromaufnahme Festgerät (12 V) — typische Werte:

ZustandStromaufnahmeLeistungsaufnahme
Standby / Empfang~0,3–1 Awenige Watt
Senden mit 1 W~1 A~12 W
Senden mit 25 W~5 A (bis ~6 A)~60 W (Wirkungsgrad ~40 %)

Merke: Senden ist der Stromfresser

25 W ≈ 5 A — Zuhören kostet fast nichts. Da Funk meist gehört und selten gesendet wird, ist der Durchschnittsverbrauch niedrig.

Batterieverbrauch — Rechenbeispiel (Festgerät):

  • Liegt fast immer auf Empfang/Standby (~0,5 A). An einer 100-Ah-Bordbatterie läuft es so theoretisch ~200 h (Praxis: weniger, weil andere Verbraucher + man die Batterie nicht leer fährt).
  • Jede Sendung mit 25 W zieht kurz ~5 A — die einzelnen Sprechsekunden fallen kaum ins Gewicht.

Eine Batterie nie komplett entladen!

Tiefentladung schädigt die Batterie dauerhaft (Kapazitätsverlust, bei Blei-/AGM-Batterien irreversibel) — und eine leergefahrene Bordbatterie heißt: kein Funk, kein Notruf.

  • Faustregel: Blei/AGM max. ~50 % entnehmen, rechtzeitig nachladen.
  • Das Funkgerät als sicherheitskritischen Verbraucher nie an einer fast leeren Batterie betreiben.
  • Eine geladene Reserve-/Starterbatterie und die akkubetriebene Handfunke sind die Rückversicherung.

Handfunkgerät — Akku:

  • Eingebauter Li-Ion-Akku, typisch ~2000–2200 mAh.
  • Laufzeit grob ~10–12 h / Standby ~100–120 h — gerechnet nach dem üblichen 5/5/90-Zyklus (5 % senden, 5 % empfangen, 90 % standby).
  • Wer viel mit voller Leistung sendet, leert den Akku deutlich schneller. → für lange Törns Ersatzakku / Lademöglichkeit.

Notreserve Handfunke

Das Festgerät ist tot, wenn das Bordnetz ausfällt → ein akkubetriebenes Handfunkgerät ist die wichtige Notreserve (eigene Stromquelle!).

6. Gerätearten

Oldtimer-Alarm 😄

Dieses fest eingebaute UKW-Gerät (Sailor RT144) ist ein echtes Museumsstück — Jahrzehnte alt, noch ohne DSC und mit reiner Drehknopf-/Tasten-Bedienung. Moderne Festgeräte sehen schicker aus und haben DSC-Controller, Display und GPS-Anschluss eingebaut — die Funktion (25 W/1 W, Kanäle, Hörer mit Sprechtaste) ist aber bis heute dieselbe.

flowchart TD
    G[UKW-Seefunkgeräte] --> O[Ortsfest / Festeinbau]
    G --> H[Tragbar / Handfunkgerät]
    O --> O1[25 W · 12 V Bordnetz<br/>hohe Festantenne<br/>DSC eingebaut<br/>große Reichweite]
    H --> H1[5-6 W · Akku<br/>integrierte Antenne<br/>3-6 sm · flexibel<br/>oft mit DSC + GPS]
    style O1 fill:#4dabf7,color:#fff
    style H1 fill:#ffd43b,color:#000
  • Ortsfeste Seefunkstelle (Festeinbau): das „Hauptgerät” — 25 W, DSC, hohe Antenne, am Bordnetz.
  • Tragbares Handfunkgerät: akkubetrieben, ideal bei Stromausfall oder im Beiboot; geringere Reichweite. Moderne Modelle haben DSC-Controller + GPS eingebaut.


Tragbares UKW-Handfunkgerät (Marine). Bild: Wikimedia Commons, CC BY-SA.

  • Kombianlage (See und Binnen, umschaltbar DSC/ATIS) → Kombianlagen.

7. Sprechverfahren: Simplex · Duplex · Semiduplex

Der Kanal bestimmt, wie gesprochen wird. Ein Kanal liegt auf einer Frequenz (Simplex) oder auf zwei Frequenzen (Duplex).

VerfahrenFrequenzenSprechenTypisch für
Simplex (Wechselsprechen)1 Frequenzabwechselnd (nur einer zugleich → „OVER”)Schiff–Schiff
Duplex (Gegensprechen)2 Frequenzen pro Kanalgleichzeitig (wie Telefon)Küstenfunk-Verbindungen
Semiduplex (Halbduplex)2 Frequenzen (Küste duplex, Schiff simplex)Schiff per Sprechtaste, Küste duplexSchiff ↔ Küstenfunkstelle
flowchart TB
    subgraph S[Simplex - Wechselsprechen]
        SA[Schiff A] <-->|1 Frequenz<br/>abwechselnd| SB[Schiff B]
    end
    subgraph D[Duplex - Gegensprechen]
        DA[Station A] -->|Frequenz 1| DB[Station B]
        DB -->|Frequenz 2| DA
    end
    subgraph H[Semiduplex - Halbduplex]
        HS[Schiff: Simplex<br/>PTT drücken] -->|TX-Frequenz| HK[Küstenfunkstelle<br/>arbeitet Duplex]
        HK -->|RX-Frequenz| HS
    end
    style S fill:#d3f9d8
    style D fill:#d0ebff
    style H fill:#fff3bf

Semiduplex erklärt: Die Küstenfunkstelle sendet und empfängt gleichzeitig (zwei Frequenzen = Duplex). Das Schiff arbeitet Simplex: Es liegt normal auf der Empfangsfrequenz (RX) der Küstenfunkstelle und schaltet nur beim Drücken der Sprechtaste auf seine Sendefrequenz (TX).

Kurz zu Duplex-Kanälen:

  • Ein Duplexkanal hat zwei verschiedene Frequenzen (eine zum Senden, eine zum Empfangen) — er ist für den Verkehr Schiff ↔ Küstenfunkstelle gedacht (z. B. Anruf bei DP07, früher öffentliche Telefonvermittlung).
  • Viele Kanäle im oberen Bereich (ca. 60–88) und Teile von 18–28 sind Duplexkanäle.
  • Schiff–Schiff-Kanäle (06, 08, 72, 77 …) und vor allem Kanal 16 sind dagegen Simplex — eine Frequenz, von allen mithörbar (genau deshalb ist der Notkanal simplex).
  • Wichtig: Auf einem Duplexkanal kannst du ein anderes Schiff nicht direkt hören (es sendet auf der anderen Frequenz) — Duplexkanäle laufen praktisch immer über die Küstenfunkstelle.

8. Wichtige Bedienelemente: Squelch · Dual Watch · Scan

Squelch (Rauschsperre)

Unterdrückt das Hintergrundrauschen, wenn kein Signal anliegt. Einstellen: langsam aufdrehen, bis das Rauschen gerade verstummt — dort stehen lassen. Zu hoch = schwache/ferne Signale werden mit weggesperrt; zu niedrig = es rauscht dauernd. Merke: so weit zu wie nötig, so weit offen wie möglich.

Prüfungsrelevant: Squelch VOR jedem Senden öffnen!

Vor jeder Aussendung kurz den Squelch öffnen (Monitor-/Squelch-Taste) und hören, ob der Kanal wirklich frei ist — ein zu hoch eingestellter Squelch könnte einen schwachen, aber laufenden Funkverkehr unterdrücken. Erst wenn der Kanal frei ist, sendest du. Das ist die technische Umsetzung von „erst hören, dann senden” — und eine typische Prüfungsfrage.

Ausnahme: im laufenden Gespräch nicht jedes Mal — da bist du bereits Teil des Funkverkehrs auf dem Arbeitskanal. Das Squelch-Öffnen gilt für den Erstanruf / Beginn einer Aussendung.

Dual Watch (Zweikanalwache)

Überwacht zwei Kanäle gleichzeitig: deinen Arbeitskanal + Kanal 16. Das Gerät springt im Sekundentakt hin und her und bleibt stehen, sobald Verkehr läuft. So hältst du Hörwache auf 16, obwohl du auf einem Arbeitskanal stehst. (Tri-Watch = drei Kanäle.)

Scan (Suchlauf)

Das Gerät durchsucht automatisch alle bzw. gespeicherte Kanäle der Reihe nach und stoppt, wenn auf einem Kanal gesendet wird. Praktisch, um mitzubekommen, wo gerade Verkehr läuft.

Fürs Üben

Dual Watch ist der Praxis-Standard: Arbeitskanal vorwählen → Dual Watch ein → Kanal 16 bleibt mitgehört. Squelch vor jedem Törn neu justieren (Bedingungen ändern sich).

9. DSC-Controller

  • Erzeugt die digitalen Selektivrufe und sendet sie auf Kanal 70 (Notalarm, Routine-/Gruppenruf).
  • Eingebaut (moderne Festgeräte, manche Handfunken) oder als separates Zusatzgerät.
  • Braucht zwingend die programmierte MMSI und — für sinnvolle Notalarme — eine Positionsquelle (GPS).
  • Funktionsweise Kanal 70hier.

10. Praxis — richtig funken

Die wichtigsten Praxisregeln (für den Kurs durchexerzieren):

  1. ERST HÖREN, DANN SENDEN. Vor dem Anruf prüfen, ob der Kanal frei ist — niemals reinquatschen.
  2. Deutlich und nicht zu schnell sprechen; Zahlen/Namen ggf. buchstabieren (Funkkurs — Funkverfahren & Buchstabieralphabet).
  3. So kurz wie möglich, so umfassend wie nötig. Kanal 16 ist Anrufkanal → nach Kontakt sofort auf Arbeitskanal wechseln.
  4. Hörwache halten: Kanal 16 möglichst immer mithören. Mit der Dual-Watch-Taste überwacht das Gerät gleichzeitig den Arbeitskanal und Kanal 16 (springt im Sekundentakt hin und her).
  5. Gesprächsaufbau: beim ersten Kontakt Name von Gegenstation und sich selbst (mit Rufzeichen/MMSI); danach nur noch , ohne Rufzeichen.
  6. Leistung anpassen: im Nahbereich/Hafen 1 W, sonst/Küstenfunkstelle 25 W.

Muster Routine-Anruf → Kanalwechsel:

"Marina Nord, Marina Nord, Marina Nord — hier ist Albatros, Albatros, Albatros, OVER"
"Albatros — hier ist Marina Nord, wechseln auf Kanal 71, OVER"
→ beide auf 71: Anliegen … OVER … Abschluss mit OUT

Goldene Regeln

Erst hören – dann senden · Kanal 16 freihalten · kurz & klar · niemals „Over and Out”.


Quellen (recherchiert 06/2026)


Superlink: Funkzeugnis-Kurs SRC und UBI
Created: 04/06/26