Funkkurs — UBI: UKW-Binnenschifffahrtsfunk

Modul des Funkzeugnis-Kurs SRC & UBI. Alles zum Binnenfunk: ATIS, Verkehrskreise, Kanäle, Notverkehr, Prüfung.

Was darf man mit dem UBI?

Bedienung von UKW-Sprechfunkanlagen im Binnenschifffahrtsfunk. Pflicht beim Betrieb einer Funkanlage auf Binnenwasserstraßen.

Rechtsrahmen

  • RAINWAT — Regionales Abkommen über den Binnenschifffahrtsfunk (regelt einheitliche Nutzung in den Vertragsstaaten).
  • Handbuch Binnenschifffahrtsfunk — das maßgebliche Nachschlagewerk.
  • Mehr zu Zuständigkeiten/Pflicht → Funkkurs — Rechtliche Grundlagen.

ATIS — genau erklärt (der zentrale Binnenfunk-Unterschied)

ATIS = Automatic Transmitter Identification System (automatisches Sender-Identifizierungs-System).

Was macht ATIS?
Es hängt an jede Aussendung automatisch eine digitale Kennung an, die das sendende Gerät eindeutig identifiziert. So lässt sich immer nachvollziehen, wer gefunkt hat — besonders wichtig, um Störer auf den dicht genutzten Binnenkanälen zu finden.

Wann genau wird es gesendet?

  • Automatisch beim Loslassen der Sprechtaste (PTT) — also am Ende jeder Sendung.
  • Es ist ein kurzer digitaler Datenburst (Bruchteil einer Sekunde), keine hörbare Sprache — der Funker tut nichts dafür, das Gerät macht es selbst.
  • Man stellt ATIS einmal ein/programmiert es (richtige Kennung), danach läuft es bei jedem Drücken/Loslassen mit.

Warum gibt es ATIS?
Vorgeschrieben durch das Abkommen RAINWAT für den Binnenschifffahrtsfunk. Es ersetzt im Binnenbereich die Identifikations-/Anruffunktion, die im Seefunk das DSC übernimmt.

Aufbau der ATIS-Kennung (10 Ziffern):

9   211        01            2345
│   │          │             │
│   │          │             └─ 4 Ziffern aus dem Rufzeichen
│   │          └─ 2 Ziffern für den 2. Buchstaben des Rufzeichens
│   └─ MID (Länderkennung, Deutschland 211)
└─ feste führende 9 (= ATIS-Kennung)

Beispiel: Rufzeichen DA2345 → ATIS 9 211 01 2345. Jede ATIS-Kennung beginnt mit 9, gefolgt von der MID (DE = 211).

Wichtige Abgrenzungen:

  • Zuteilung der ATIS-Kennung durch die Bundesnetzagentur (wie MMSI/Rufzeichen) → Funkkurs — Rechtliche Grundlagen.
  • ATIS ≠ DSC: ATIS ist nur eine automatische Senderkennung, kein Notalarm und kein Selektivruf. Es kann niemanden gezielt anrufen.
  • Im Seefunk ist ATIS sogar verboten, im Binnenfunk Pflicht → deshalb Kombigeräte umschalten (siehe oben).
  • Im Binnenfunk gibt es kein DSC und keinen Kanal 70.

Merksatz

DSC ruft (Seefunk, K70). ATIS verrät nur, wer gesendet hat (Binnenfunk, automatisch beim Loslassen der Taste).

Kombianlagen — und warum ein Seefunkgerät im Binnenfunk nicht zulässig ist

Kombianlage / Kombigerät = ein UKW-Gerät, das beide Welten kann: Seefunk (mit DSC) und Binnenfunk (mit ATIS). Man schaltet zwischen zwei Betriebsarten um: See-Modus (DSC an, ATIS aus) ↔ Binnen-Modus (ATIS an, DSC aus).

Warum geht ein reines Seefunkgerät NICHT für den Binnenfunk?

SeefunkBinnenfunk
ATISnicht gestattetvorgeschrieben (Pflicht!)
DSCgenutzt (K70)nicht erlaubt (gehört zum Seefunk)
KennungMMSIATIS-Kennung
  • Der Binnenfunk verlangt ATIS (automatische Senderkennung bei jedem Loslassen der Sprechtaste). Ein reines Seefunkgerät sendet kein ATIS — und im Seefunk ist ATIS sogar verboten. → Damit erfüllt es die Binnen-Pflicht nicht.
  • Umgekehrt darf im Binnenfunk nicht mit dem DSC-Controller gearbeitet werden (DSC gehört zum Seefunk).
  • Das Gerät muss zudem für den Binnenschifffahrtsfunk zugelassen sein.

💡 Merksatz: See = DSC, kein ATIS. Binnen = ATIS, kein DSC. Ein Kombigerät kann beides — aber nur, wenn man es korrekt umschaltet. Ein reines Seefunkgerät darf am Binnenfunk nur im Notfall teilnehmen.

Die 4 Verkehrskreise (auswendig — Prüfungsklassiker!)

Der Binnenfunk kennt genau vier Verkehrskreise:

  1. Schiff–Schiff — Verkehr zwischen Fahrzeugen (Nautik, Begegnung, Überholen).
  2. Nautische Information — Schiff ↔ Land, Revierzentralen / Verkehrsposten (Schleusen, Brücken, Verkehrslenkung).
  3. Schiff–Hafenbehörde — Hafenbetrieb.
  4. Funkverkehr an Bord (Bordfunk) — interne Kommunikation an Bord (niedrige Leistung).

Merkhilfe: „Schiff–Schiff, Nautische Info, Hafen, Bord.” (vier, nicht fünf!)

flowchart TD
    B[🚢 Mein Binnenschiff] -->|Kanal 10| SS[1 · Schiff–Schiff<br/>Begegnung · Überholen]
    B -->|Revierkanal| NI[2 · Nautische Information<br/>Revierzentrale · Schleuse · Brücke]
    B -->|Hafenkanal| HB[3 · Schiff–Hafenbehörde<br/>Hafenbetrieb]
    B -->|1 W| BD[4 · Funkverkehr an Bord<br/>intern, kleiner Radius]
    style SS fill:#ffd43b,color:#000
    style NI fill:#4dabf7,color:#fff
    style HB fill:#69db7c,color:#000
    style BD fill:#ffa94d,color:#000

Kanal 10 — der wichtigste Binnen-Kanal

Kanal 10 ist der Anruf- und Sicherheitskanal Schiff–Schiff. Auf ihm muss während der Fahrt Dauerhörwache gehalten werden — unabhängig von der befahrenen Strecke.

Sendeleistung Binnen

  • Regulär bis max. 25 W, der Lage angepasst herunterregeln.
  • Örtlich kann reduzierte Leistung von 0,5–1 W verlangt werden (z. B. im Schleusenbereich).
  • Bordfunk: nur 1 W (kleiner Radius gewollt). Warum 1 W? → gleiche Logik wie im Seehafen.

Notverkehr Binnen

  • Auch hier MAYDAY / PAN PAN / SÉCURITÉ, aber per Sprechfunk (kein DSC).
  • Notruf geht an die Revierzentrale (Verkehrsposten) bzw. über Schiff–Schiff (Kanal 10).
  • Aufbau des MAYDAY-Spruchs analog zum Seefunk, nur mit ATIS-Identifikation statt MMSI.

UBI-Prüfung

  • Theorie (Vollprüfung): 22 Multiple-Choice-Fragen, 17 müssen richtig sein (max. 5 Fehler) — aus einem Katalog von 130 Fragen.
  • Ergänzungsprüfung für SRC-Inhaber: nur noch 10 Fragen, 8 richtig zum Bestehen (30 Min). → Wer am Wochenende erst SRC, dann UBI macht, schreibt nur die kurze Ergänzung!
  • Praxis: Sprechfunk-Meldungen am Gerät/Simulator (kein DSC-Teil).
  • Kein Englisch-Pflichtteil wie beim SRC — Binnenfunk läuft in der Landessprache (Deutsch) nach RAINWAT-Regeln.
  • Mindestalter: 15 Jahre.

Superlink: Funkzeugnis-Kurs SRC und UBI
Created: 04/06/26