SRC – UKW-Seefunk (GMDSS)

Der gesamte Seefunk hängt an einem System namens GMDSS. Das schauen wir uns hier an, samt den Seegebieten A1 bis A4 und der Frage, welcher Schein für welche Reichweite gilt. Dazu kommen die wichtigsten UKW-Kanäle (16, 70 und Co.), der Unterschied zwischen DSC und Sprechfunk, und schließlich der Ablauf eines MAYDAY-Notrufs von der roten Taste bis zum Sprechfunk auf Englisch.

Warum brauche ich überhaupt Funk?

Beim SRC wird auf Englisch gefunkt

Der Seefunk ist international – auf See begegnen sich Schiffe aller Nationen, deshalb ist Englisch die verbindliche Funksprache. Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr werden in der Prüfung in Englisch abgewickelt (mit Buchstabieralphabet), dazu kommen Diktat und Übersetzung englischer Seefunktexte. Beim UBI (Binnen) wird dagegen in der Landessprache, also Deutsch, gefunkt.

Der Seefunk ist im Grunde das Handynetz der Küstengewässer – nur dass alle auf wenigen offenen „Leitungen” mithören. Wer das Prinzip einmal hat (kurz reden, Kanal 16 freihalten, im Notfall der rote Knopf), hat damit schon die wichtigsten Verhaltensregeln verstanden.

Was darf man mit dem SRC?

Bedienung von UKW-Seefunkanlagen mit DSC auf Sportbooten. Pflicht, sobald eine Seefunkanlage an Bord betrieben wird (auch wenn man „nur zuhört” – der Betrieb ist zeugnispflichtig).

GMDSS – Global Maritime Distress and Safety System

Weltweites Seenot- und Sicherheitsfunksystem. Kerngedanke: automatischer Notalarm per Knopfdruck (DSC), dann Sprechfunk. GMDSS funktioniert wie ein weltweiter Rauchmelder-Verbund – einer drückt, und alle Zuständigen in Reichweite kriegen es automatisch mit.

Die GMDSS-Seegebiete (A1-A4)
Die Seegebiete sagen, welche Funktechnik in welcher Entfernung von der Küste gebraucht wird – je weiter raus, desto aufwendiger. Dabei sind die Gebiete ineinander gestaffelt: ein Schiff in A3 durchfährt auf dem Weg auch A1 und A2.

GebietAbdeckung durchgrobe ReichweiteTechnikSchein
A1UKW-Küstenfunkstelle mit DSC~30-40 smUKW + DSCSRC
A2Grenzwellen-Küstenfunkstelle (MF) mit DSC~100-150 sm+ Grenzwelle (MF)LRC
A3Inmarsat-Satellit~70° N bis 70° S (fast weltweit)+ Satellit / KurzwelleLRC
A4jenseits der Satelliten = PolargebietePole+ Kurzwelle (HF)LRC
flowchart LR
 K[Küste] --> A1[A1<br/>UKW + DSC<br/>~30-40 sm<br/> SRC]
 A1 --> A2[A2<br/>Grenzwelle MF<br/>~100-150 sm]
 A2 --> A3[A3<br/>Satellit Inmarsat<br/>~70°N bis 70°S]
 A3 --> A4[A4<br/>Polargebiete<br/>Kurzwelle]
 A1 -.->|LRC| A2
 A2 -.->|LRC| A3
 style A1 fill:#69db7c,color:#000
 style A2 fill:#a5d8ff,color:#000
 style A3 fill:#a5d8ff,color:#000
 style A4 fill:#a5d8ff,color:#000

Je weiter raus, desto mehr Technik: SRC deckt A1; ab A2 aufwärts braucht es das LRC. A1 = Küstenbereich, das ist unser Revier.

Die Grenzwelle ist die Mittelfrequenz (MF), der Funkbereich rund um 1,6-4 MHz – er liegt „an der Grenze” zwischen Mittel- und Kurzwelle. Maritime Not-Frequenzen sind hier 2182 kHz (Sprechfunk) und 2187,5 kHz (DSC). Sie breitet sich vor allem als Bodenwelle aus und reicht damit über den Horizont hinaus – typisch ~100-150 sm, also viel weiter als UKW. Genutzt wird sie im Seegebiet A2 und nur mit dem LRC, nicht mit dem SRC; Bremen Rescue ist auch auf 2187,5 kHz (DSC) erreichbar. Kurz gesagt: UKW = Sichtweite (A1), Grenzwelle = küstenferner Mittelstreckenfunk (A2), Satellit/Kurzwelle = weltweit (A3/A4).

Die Kurzwelle (High Frequency, HF) liegt bei ca. 3-30 MHz. Sie wird an der Ionosphäre reflektiert („Raumwelle”) und springt so um die halbe Welt – Reichweite weltweit, aber stark schwankend (Tageszeit, Sonne, Frequenzwahl). Sie trägt Sprechfunk, DSC und Funkfernschreiben über große Distanzen. In den Polargebieten (A4), wo der Satellit nicht hinreicht, ist Kurzwelle das Rückgrat. Auch sie braucht das LRC.

Inmarsat ist ein System geostationärer Satelliten über dem Äquator. Die Abdeckung reicht von ~70° N bis 70° S – also fast die ganze Erde außer den Polkappen, weshalb es A4 mit Kurzwelle gibt. Es liefert Sprache, Daten und Seenotalarm (z. B. Inmarsat-C im GMDSS). Damit ist man im Seegebiet A3 quasi weltweit erreichbar, unabhängig von Küstenfunkstellen, und braucht dafür das LRC. Systemübergreifend ergänzend dazu: die EPIRB (Seenotfunkbake, 406 MHz, Cospas-Sarsat-Satelliten) sendet bei Seenot automatisch Position und Kennung – funktioniert überall, auch an den Polen, und ist unabhängig von A1-A4.

DSC – Digital Selective Calling (Digitaler Selektivruf)

  • Digitaler Anruf per Knopfdruck – Gerät sendet automatisch die eigene MMSI.
  • Läuft ausschließlich auf Kanal 70 – dort kein Sprechfunk! Häufige Prüfungsfalle.
  • Notalarm, Routineanruf an einzelne Station, Gruppenruf, Anruf an alle Schiffe (All Ships).

MMSI – Maritime Mobile Service Identity

  • 9-stellige Kennung der Seefunkstelle.
  • Schiff-MMSI beginnt mit der MID (Maritime Identification Digits, Länderkennung); Deutschland = 211 / 218.
  • Wird in Deutschland von der Bundesnetzagentur zugeteilt.

Wichtige UKW-Seefunkkanäle (auswendig! – nach offiziellem Lehrbuch)

KanalFunktion
16156,800 MHz - Allgemeiner Not- und Anrufkanal, Dauer-Hörwache (calling)
06On-Scene-Kommunikation im Seenotfall vor Ort (SAR - Search and Rescue); Schiff-Schiff
08, 13Ausweichkanal, falls 16 und 06 belegt sind (13 auch Brücke-Brücke, Navigationssicherheit)
15, 17Interner Bordfunk (nur 1 W)
70156,525 MHz - Kanal für den DSC-Controller; darf nicht für Sprechfunk benutzt werden!
72, 77Soziale Nachrichten („privater Plausch”) Schiff-Schiff (Kanal 69 auch - aber nur in Deutschland, nicht im Ausland)
75, 76Funkverkehr zu navigatorischen Zwecken zwischen Schiffsfunkstellen
87, 88AIS-Kanäle - dürfen nicht für Sprechfunk benutzt werden!

Verfügbar sind die UKW-Seefunkkanäle 1-28 und 60-88; dazwischen liegt kein nutzbarer Kanalbereich. Kanal 16 und 70 liegen darin als die festen Not-/DSC-Kanäle.

Kanal 16 und Kanal 70 nie verwechseln

Kanal 16 ist der Sprech-Not- und Anrufkanal mit Dauer-Hörwache. Kanal 70 ist reiner DSC-Datenkanal – dort wird nie gesprochen. Diese Trennung ist eine der häufigsten Prüfungsfallen.

Zur Sendeleistung (nach Lehrbuch): Das Gerät hat zwei Stufen, 1 W oder 25 W. Die Einstellung bedeutet „maximal” 1 W bzw. 25 W – die tatsächliche Leistung hängt u. a. von Antenne und Bedingungen ab. Immer mit vollen 25 W sendet man bei Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr sowie grundsätzlich beim Verkehr mit Küstenfunkstellen, unabhängig vom Inhalt. Auf 1 W reduziert man bei bestimmten Meldungen im Nahbereich (Hafen/Marina), weil man sich die Kanäle teilt und jeder senden können soll. Warum genau → Funkkurs — Quiz SRC (Seefunk) (Abschnitt Sendeleistung).

Gängige Arbeits-, Hafen- und Marina-Kanäle für Ostsee & Mittelmeer stehen in einem eigenen Modul: Funkkurs — Revierkanäle Ostsee & Mittelmeer.

Warum 1 W im Hafen?

Mehr Leistung bringt im Hafen nichts (UKW = Sichtweite-Funk; 1 W reicht für den Nahbereich), blockiert aber den Kanal großräumig und stört alle anderen. Sendeleistung ist Lautstärke, nicht Qualität – im Hafen flüstern (1 W), auf See rufen (25 W). Dafür gibt es die High/Low-Taste; der Bordverkehr (15/17) läuft ohnehin fest auf 1 W. Ausführlich + Analogie → Funkkurs — Quiz SRC (Seefunk) (Frage zur Sendeleistung).

Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr (die 3 Stufen)

StufeKennwortBedeutung
Not / DistressMAYDAYUnmittelbare Gefahr für Schiff oder Person, sofortige Hilfe nötig
Dringlichkeit / UrgencyPAN PANDringende Meldung, aber (noch) keine unmittelbare Gefahr (z. B. Mensch krank, Manövrierunfähig ohne akute Gefahr)
Sicherheit / SafetySÉCURITÉSicherheitsmeldung, z. B. Navigationswarnung, Wetterwarnung

MAYDAY-Spruch – Aufbau (auf Englisch – am besten laut üben!)

Erst DSC-Notalarm auf Kanal 70, dann Sprechfunk auf Kanal 16 – im Seefunk auf Englisch:

MAYDAY – MAYDAY – MAYDAY
THIS IS [Schiffsname 3×] Call Sign MMSI
MAYDAY [Schiffsname 1×] Call Sign MMSI
POSITION: ... (Lat/Lon oder Peilung + Distanz zu markantem Punkt)
NATURE OF DISTRESS: ... (Art der Not — z. B. sinking, fire, man overboard)
ASSISTANCE REQUIRED: ... (benötigte Hilfe)
PERSONS ON BOARD: ... (Anzahl Personen an Bord)
OTHER INFORMATION: ... (z. B. Schiffstyp, Farbe, verlassen Schiff)
OVER

MAYDAY RELAY ist die Weitergabe eines fremden Notrufs, wenn man selbst Zeuge wird und die Station es nicht selbst kann.

Das Funkschema im Notfall (DSC → Sprechfunk)

flowchart TD
 A[NOTFALL erkannt] --> B[Roten DISTRESS-Knopf öffnen<br/>und gedrückt halten]
 B --> C[DSC-Notalarm geht automatisch<br/>raus auf KANAL 70<br/>sendet MMSI · Position · Zeit · Art der Not]
 C --> D[Gerät wechselt automatisch<br/>auf KANAL 16]
 D --> E[Sprechfunk-MAYDAY auf Englisch<br/>This is ... Position ... Nature of distress ...]
 E --> F{Bestätigung durch<br/>Küstenfunkstelle?}
 F -->|ja| G[Anweisungen befolgen<br/>Notverkehr abwickeln]
 F -->|nein, nach ca. 1 Min| E
 style A fill:#ff6b6b,color:#fff
 style C fill:#4dabf7,color:#fff
 style E fill:#ffd43b,color:#000
 style G fill:#69db7c,color:#000

Wie DSC auf Kanal 70 wirklich funktioniert (häufiges Missverständnis!)

Man wechselt nicht manuell auf Kanal 70 – DSC läuft automatisch. Kanal 70 ist kein Kanal, den man anwählt und auf dem man spricht, sondern ein reiner Datenkanal, den das Gerät permanent im Hintergrund bedient.

  1. Dauerüberwachung: Jedes DSC-fähige Gerät hat einen eigenen DSC-Wachempfänger, der ständig auf Kanal 70 mithört – egal, auf welchem Sprechkanal du gerade stehst (z. B. 72 oder 16). Das läuft automatisch, da stellt man nichts ein.
  2. DSC-Call absetzen = Menü, nicht Kanalwahl: Du wählst die Funktion im DSC-Menü (rote Taste = Distress, oder „Individual Call” mit Ziel-MMSI). Du drehst nicht vorher auf Kanal 70.
  3. Das Gerät macht den Rest selbst: Beim Senden schaltet es selbsttätig kurz auf Kanal 70, feuert die digitale DSC-Meldung raus (MMSI, Position, Zeit, ggf. Art der Not) und springt sofort zurück – beim Notalarm automatisch auf Kanal 16 für den Sprech-MAYDAY. Dauert nur den Bruchteil einer Sekunde.

Der typische Denkfehler: Viele denken wie beim Sprechfunk („erst Kanal einstellen, dann reden”). Bei DSC ist es umgekehrt – du wählst eine Funktion (was du willst), nicht einen Kanal (wo). Das Gerät erledigt das Wo (= Kanal 70) automatisch. Deshalb gilt: auf Kanal 70 wird nie gesprochen, dort läuft nur Maschine-zu-Maschine-Datenfunk. Das Bild vom Telefon hilft: Kanal 70 ist wie das Klingel-/SMS-Signal – läuft automatisch im Hintergrund und stellt die Verbindung her, gesprochen wird danach im „Gespräch” auf dem Sprechkanal. Niemand „wählt das Klingelsignal an”.

Ein Sonderfall ist der Routine-Call: Die DSC-Meldung teilt der Gegenstelle gleich den gewünschten Arbeitskanal mit – moderne Geräte stellen ihn nach der Quittung sogar automatisch ein.


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