Funkkurs — SRC: UKW-Seefunk (GMDSS)

Modul des Funkzeugnis-Kurs SRC & UBI. Alles zum Seefunk: System, DSC, Kanäle, Notverkehr, Prüfung.

Was darf man mit dem SRC?

Bedienung von UKW-Seefunkanlagen mit DSC auf Sportbooten. Pflicht, sobald eine Seefunkanlage an Bord betrieben wird (auch wenn man “nur zuhört” — der Betrieb ist zeugnispflichtig).

GMDSS — Global Maritime Distress and Safety System

Weltweites Seenot- und Sicherheitsfunksystem. Kerngedanke: automatischer Notalarm per Knopfdruck (DSC), dann Sprechfunk.

Die GMDSS-Seegebiete (A1–A4)
Die Seegebiete sagen, welche Funktechnik in welcher Entfernung von der Küste gebraucht wird — je weiter raus, desto aufwendiger. Wichtig: Die Gebiete sind ineinander gestaffelt — ein Schiff in A3 durchfährt auf dem Weg auch A1 und A2.

GebietAbdeckung durchgrobe ReichweiteTechnikSchein
A1UKW-Küstenfunkstelle mit DSC~30–40 smUKW + DSCSRC
A2Grenzwellen-Küstenfunkstelle (MF) mit DSC~100–150 sm+ Grenzwelle (MF)LRC
A3Inmarsat-Satellit~70° N bis 70° S (fast weltweit)+ Satellit / KurzwelleLRC
A4jenseits der Satelliten = PolargebietePole+ Kurzwelle (HF)LRC
flowchart LR
    K[Küste] --> A1[A1<br/>UKW + DSC<br/>~30-40 sm<br/>★ SRC]
    A1 --> A2[A2<br/>Grenzwelle MF<br/>~100-150 sm]
    A2 --> A3[A3<br/>Satellit Inmarsat<br/>~70°N bis 70°S]
    A3 --> A4[A4<br/>Polargebiete<br/>Kurzwelle]
    A1 -.->|LRC| A2
    A2 -.->|LRC| A3
    style A1 fill:#69db7c,color:#000
    style A2 fill:#a5d8ff,color:#000
    style A3 fill:#a5d8ff,color:#000
    style A4 fill:#a5d8ff,color:#000

Je weiter raus, desto mehr Technik: SRC deckt A1; ab A2 aufwärts braucht es das LRC. Für den Wochenend-Kurs reicht: A1 = Küstenbereich, das ist unser Revier.

Was ist die Grenzwelle?

Grenzwelle = Mittelfrequenz (MF), der Funkbereich rund um 1,6–4 MHz — er liegt „an der Grenze” zwischen Mittel- und Kurzwelle. Maritime Not-Frequenzen: 2182 kHz (Sprechfunk) und 2187,5 kHz (DSC).

  • Sie breitet sich vor allem als Bodenwelle aus und reicht damit über den Horizont hinaus — typisch ~100–150 sm, also viel weiter als UKW.
  • Genutzt im Seegebiet A2 und nur mit dem LRC (nicht SRC). Bremen Rescue ist auch auf 2187,5 kHz (DSC) erreichbar.
  • Kurz: UKW = Sichtweite (A1), Grenzwelle = küstenferner Mittelstreckenfunk (A2), Satellit/Kurzwelle = weltweit (A3/A4).

Kurzwelle (HF) — A3/A4

Kurzwelle = High Frequency (HF), ca. 3–30 MHz. Sie wird an der Ionosphäre reflektiert („Raumwelle”) und springt so um die halbe Welt — Reichweite weltweit, aber stark schwankend (Tageszeit, Sonne, Frequenzwahl). Trägt Sprechfunk, DSC und Funkfernschreiben über große Distanzen. In den Polargebieten (A4), wo der Satellit nicht hinreicht, ist Kurzwelle das Rückgrat. Braucht das LRC.

Inmarsat / Satellit — A3

Inmarsat ist ein System geostationärer Satelliten über dem Äquator. Abdeckung ~70° N bis 70° S — also fast die ganze Erde außer den Polkappen (deshalb gibt es A4 mit Kurzwelle). Liefert Sprache, Daten und Seenotalarm (z. B. Inmarsat-C im GMDSS). Damit ist man im Seegebiet A3 quasi weltweit erreichbar — unabhängig von Küstenfunkstellen. Braucht das LRC.

Ergänzend, system­übergreifend: die EPIRB (Seenotfunkbake, 406 MHz, Cospas-Sarsat-Satelliten) sendet bei Seenot automatisch Position + Kennung — funktioniert überall, auch an den Polen, und ist unabhängig von A1–A4.

DSC — Digital Selective Calling (Digitaler Selektivruf)

  • Digitaler Anruf per Knopfdruck — Gerät sendet automatisch die eigene MMSI.
  • Läuft ausschließlich auf Kanal 70 — dort kein Sprechfunk! Häufige Prüfungsfalle.
  • Notalarm, Routineanruf an einzelne Station, Gruppenruf, Anruf an alle Schiffe (All Ships).

MMSI — Maritime Mobile Service Identity

  • 9-stellige Kennung der Seefunkstelle.
  • Schiff-MMSI beginnt mit der MID (Maritime Identification Digits, Länderkennung); Deutschland = 211 / 218.
  • Wird in Deutschland von der Bundesnetzagentur zugeteilt.

Wichtige UKW-Seefunkkanäle (auswendig! — nach offiziellem Lehrbuch)

KanalFunktion
16156,800 MHz — Allgemeiner Not- und Anrufkanal, Dauer-Hörwache (calling)
06On-Scene-Kommunikation im Seenotfall vor Ort (SAR – Search and Rescue); Schiff-Schiff
08, 13Ausweichkanal, falls 16 und 06 belegt sind (13 auch Brücke-Brücke, Navigationssicherheit)
15, 17Interner Bordfunk (nur 1 W)
70156,525 MHz — Kanal für den DSC-Controller; darf nicht für Sprechfunk benutzt werden!
72, 77Soziale Nachrichten („privater Plausch”) Schiff-Schiff (Kanal 69 auch — aber nur in Deutschland, nicht im Ausland)
75, 76Funkverkehr zu navigatorischen Zwecken zwischen Schiffsfunkstellen
87, 88AIS-Kanäledürfen nicht für Sprechfunk benutzt werden!

Verfügbare UKW-Seefunkkanäle: 1–28 und 60–88 (dazwischen liegt kein nutzbarer Kanalbereich). Kanal 16 und 70 liegen darin als die festen Not-/DSC-Kanäle.

Sendeleistung (nach Lehrbuch):

  • Gerät hat zwei Stufen: 1 W oder 25 W. Die Einstellung bedeutet „maximal” 1 W bzw. 25 W — die tatsächliche Leistung hängt u. a. von Antenne und Bedingungen ab.
  • Immer 25 W (volle Leistung): bei Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr sowie grundsätzlich beim Verkehr mit Küstenfunkstellen — unabhängig vom Inhalt.
  • Auf 1 W reduzieren: bei bestimmten Meldungen im Nahbereich (Hafen/Marina, Bordfunk 15/17), weil man sich die Kanäle teilt und jeder senden können soll. Warum genau → Funkkurs — Quiz SRC (Seefunk) (Abschnitt Sendeleistung).

Revierkanäle separat

Gängige Arbeits-, Hafen- und Marina-Kanäle für Ostsee & Mittelmeer → eigenes Modul: Funkkurs — Revierkanäle Ostsee & Mittelmeer.

Warum 1 W im Hafen?

Mehr Leistung bringt im Hafen nichts (UKW = Sichtweite-Funk; 1 W reicht für den Nahbereich), blockiert aber den Kanal großräumig und stört alle anderen. Merksatz: Sendeleistung = Lautstärke, nicht Qualität — im Hafen flüstern (1 W), auf See rufen (25 W). Deshalb High/Low-Taste; Bordverkehr (15/17) ohnehin fest 1 W. Ausführlich + Analogie → Funkkurs — Quiz SRC (Seefunk) (Frage zur Sendeleistung).

Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr (die 3 Stufen)

StufeKennwortBedeutung
Not / DistressMAYDAYUnmittelbare Gefahr für Schiff oder Person, sofortige Hilfe nötig
Dringlichkeit / UrgencyPAN PANDringende Meldung, aber (noch) keine unmittelbare Gefahr (z. B. Mensch krank, Manövrierunfähig ohne akute Gefahr)
Sicherheit / SafetySÉCURITÉSicherheitsmeldung, z. B. Navigationswarnung, Wetterwarnung

MAYDAY-Spruch — Aufbau (auf ENGLISCH, Teilnehmer üben lassen!)

Erst DSC-Notalarm Kanal 70, dann Sprechfunk auf Kanal 16 — im Seefunk auf Englisch:

MAYDAY – MAYDAY – MAYDAY
THIS IS   [Schiffsname 3×]   Call Sign   MMSI
MAYDAY    [Schiffsname 1×]   Call Sign   MMSI
POSITION: ...        (Lat/Lon oder Peilung + Distanz zu markantem Punkt)
NATURE OF DISTRESS: ...        (Art der Not — z. B. sinking, fire, man overboard)
ASSISTANCE REQUIRED: ...       (benötigte Hilfe)
PERSONS ON BOARD: ...          (Anzahl Personen an Bord)
OTHER INFORMATION: ...         (z. B. Schiffstyp, Farbe, verlassen Schiff)
OVER

MAYDAY RELAY = Weitergabe eines fremden Notrufs, wenn man selbst Zeuge wird und die Station es nicht selbst kann.

Das Funkschema im Notfall (DSC → Sprechfunk)

flowchart TD
    A[NOTFALL erkannt] --> B[Roten DISTRESS-Knopf öffnen<br/>und gedrückt halten]
    B --> C[DSC-Notalarm geht automatisch<br/>raus auf KANAL 70<br/>sendet MMSI · Position · Zeit · Art der Not]
    C --> D[Gerät wechselt automatisch<br/>auf KANAL 16]
    D --> E[Sprechfunk-MAYDAY auf Englisch<br/>This is ... Position ... Nature of distress ...]
    E --> F{Bestätigung durch<br/>Küstenfunkstelle?}
    F -->|ja| G[Anweisungen befolgen<br/>Notverkehr abwickeln]
    F -->|nein, nach ca. 1 Min| E
    style A fill:#ff6b6b,color:#fff
    style C fill:#4dabf7,color:#fff
    style E fill:#ffd43b,color:#000
    style G fill:#69db7c,color:#000

Wie DSC auf Kanal 70 wirklich funktioniert (häufiges Missverständnis!)

Man wechselt NICHT manuell auf Kanal 70. DSC läuft automatisch. Kanal 70 ist kein Kanal, den man anwählt und auf dem man spricht — er ist ein reiner Datenkanal, den das Gerät permanent im Hintergrund bedient.

  1. Dauerüberwachung: Jedes DSC-fähige Gerät hat einen eigenen DSC-Wachempfänger, der ständig auf Kanal 70 mithört — egal, auf welchem Sprechkanal du gerade stehst (z. B. 72 oder 16). Das läuft automatisch, da stellt man nichts ein.
  2. DSC-Call absetzen = Menü, nicht Kanalwahl: Du wählst die Funktion im DSC-Menü (rote Taste = Distress, oder „Individual Call” mit Ziel-MMSI). Du drehst nicht vorher auf Kanal 70.
  3. Das Gerät macht den Rest selbst: Beim Senden schaltet es selbsttätig kurz auf Kanal 70, feuert das digitale DSC-Telegramm raus (MMSI, Position, Zeit, ggf. Art der Not) und springt sofort zurück — beim Notalarm automatisch auf Kanal 16 für den Sprech-MAYDAY. Dauert nur den Bruchteil einer Sekunde.

Der typische Denkfehler

Viele denken wie beim Sprechfunk („erst Kanal einstellen, dann reden”). Bei DSC ist es umgekehrt: Du wählst eine Funktion (was du willst), nicht einen Kanal (wo). Das Gerät erledigt das Wo (= Kanal 70) automatisch. Deshalb gilt: Auf Kanal 70 wird nie gesprochen — dort läuft nur Maschine-zu-Maschine-Datenfunk.

Analogie für die Teilnehmer: Kanal 70 ist wie das Klingel-/SMS-Signal beim Telefon — läuft automatisch im Hintergrund und stellt die Verbindung her. Gesprochen wird danach im „Gespräch” auf dem Sprechkanal. Niemand „wählt das Klingelsignal an”.

Sonderfall Routine-Call: Das DSC-Telegramm teilt der Gegenstelle gleich den gewünschten Arbeitskanal mit — moderne Geräte stellen ihn nach der Quittung sogar automatisch ein.

SRC-Prüfung (Aufbau exakt)

Theorie: 24 Multiple-Choice-Fragen aus dem amtlichen Katalog, 19 müssen richtig sein (Funkrecht, Technik, Verfahren).

Praxis (auf Englisch!):

  • Diktat: einer von 27 englischen Seefunktexten wird vorgelesen → korrekt mitschreiben → sinngemäß ins Deutsche übersetzen.
  • Übersetzung: einer von 27 deutschen Texten → schriftlich sinngemäß ins Englische.
  • Bedienung am Gerät/Simulator: 4 Aufgaben aus einem Pool, u. a.:
    • DSC-Controller bedienen + Notalarm absetzen
    • Speicherabfrage + Empfangsbestätigung eines DSC-Notalarms
    • Notmeldung per Sprechfunk weiterleiten (Distress Relay)
    • Routine-/Dringlichkeits-/Sicherheitsmeldung

Englisch in der Prüfung

Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr werden in Englisch mit dem internationalen Buchstabieralphabet aufgenommen und dann ins Deutsche übersetzt. → Buchstabieralphabet muss sitzen (Funkkurs — Funkverfahren & Buchstabieralphabet).


Superlink: Funkzeugnis-Kurs SRC und UBI
Created: 04/06/26